| Bibelwoche im Spanischen Hof |
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Von Christian Thiele Bibelwoche? Etwa eine ganze Woche lang am wohlverdienten Feierabend mit der Bibel beschäftigen? Wer macht das denn? Einmal im Jahr treffen sich Christen aller Konfessionen an mehreren Abenden, um Näheres über einen biblischen Text zu erfahren und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Dass dies keine langweilige Abendveranstaltung sein muss, können die Teilnehmer der Schwesterkirchgemeinden Gröditz, Frauenhain und Nauwalde bestätigen, die sich in diesem Jahr erstmalig an einen dafür ungewöhnlichen Ort einladen ließen. Nicht in vertrauten Kirchenräumen, sondern im Hotel "Spanischer Hof" in Gröditz, welches dafür einen Raum kostenlos zur Verfügung stellte. Zentrales Thema war die alttestamentliche Geschichte von den beiden ungleichen Brüdern Jakob und Esau. Schon im Vorfeld hatte ich mein "kleines Bibelgespräch" der besonderen Art. Aufmerksam auf die Bibelwoche durch eine Anzeige in der Zeitung geworden, meldete sich jemand bei mir mit der Absicht, seine Bibel zu verkaufen. Er bräuchte sie nicht, wie er meinte, da er mit Gott irgendwie nichts anfangen könne und zum Vererben wäre die alte Bibel zu schade. Denn schließlich, so hätte man ihm gesagt, wäre sie noch eine ganze Menge Geldes wert. Leider konnte ich ihn nicht genügend überzeugen, ab und an selbst darin zu lesen oder die Bibel wenigstens zu verschenken. Aber wir sind dabei ins Gespräch über Gott und den Glauben gekommen. Ins Gespräch kommen, sich über eigene Erfahrungen auszutauschen, Fragen zu stellen, auch unvollkommene Antworten stehen zu lassen, gemeinsam zu singen, zu beten und sich näher kennen zu lernen, damit waren auch die fünf Abende der Bibelwoche gefüllt. Die Jakobsgeschichte ist eine alte Geschichte und doch so nah aus unserem Alltag. Neid, auch unter Geschwistern, Bevorzugung, Liebe, Frust, Träume …. Jeder hätte seine eigene Geschichte dazu erzählen können. Gleich am ersten Abend ging es darum, wie Esau sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder Jakob verkaufte. Für einen Teller Linsen! War Esau das schnelle Geld lieber als die Verantwortung für die Zukunft? Schließlich wurde ihm dafür nach damaliger Auffassung als Erstgeborener eine besondere Verantwortung auch von Gott übertragen. Oder war es ein raffinierter Plan von Jakob, mit einem miesen Trick dieses Erstgeburtsrecht von Esau zu stehlen? Gott hat uns sein Wort in der Heiligen Schrift weitergegeben und damit eine besondere Verantwortung übertragen, sorgsam damit umzugehen und die Zukunft zu gestalten. Entgegen manchen Skeptikern waren die Bibelabende im Spanischen Hof eine gelungene Sache. Nicht nur die unterschiedlichen, lebhaften Darstellungen der einzelnen Bibelabschnitte, sondern auch die liebevoll gestalteten musikalischen Darbietungen durch die Chöre und Instrumentalkreise der Schwesterkirchgemeinden Gröditz, Frauenhain und Nauwalde trugen zu einer guten Atmosphäre bei. An dieser Stelle einen besonderen Dank an die Mitarbeiter vom Spanischen Hof für die freundliche Unterstützung. Einen Abschluss fand die Bibelwoche mit dem gemeinsamen Gottesdienst am Sonntag in der Gröditzer Kirche. Dort war nochmal zu erleben, wie Versöhnung auch nach langer Zeit möglich wurde. Gott hat gewirkt bei den Begebenheiten und Unterschiedlichkeiten von Jakob und Esau. Gott wirkt auch heute in unserem Alltag, auch wenn uns das im ersten Moment verborgen erscheint. Gott hat gewirkt und im Kleinen sogar über die Grenzen unserer Schwestergemeinden hinaus zu einem Gespräch über die Bibel verholfen. Die Fortsetzung folgt sicherlich - spätestens im nächsten Jahr. Herr Christian Thiele ist Pfarrer der Kirchgemeinden Gröditz und Nauwalde. |