| Kommt und empfangt das Licht |
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Von Harald Pepel Zu den eindrücklichsten Erlebnissen meiner Studentenzeit gehört eine Osternacht in der Orthodoxen Kirche Rumäniens. Das war im April 1995 als unser Institut zu Gast in der Mitropolie der Moldau, einem Gebietsdezernat der Orthodoxen Kirche war. Es war kurz vor 24 Uhr und wir hatten den Gottesdienst über zwei Stunden mitverfolgt. Die Kathedrale in Iassy, einer Stadt im Nordosten Rumäniens füllte sich zusehends. Die Menschen kamen, legten Osterkörbe mit Lebensmitteln vor sich ab und hielten weiße Kerzen in der Hand. Es wurde gebetet, gesungen und die Leidensgeschichte Jesu gelesen. Dann wurde es still. Das Licht ging aus. Weihrauch lag in der Luft und eine unbeschreibliche Stille. Rund 300 Menschen hielten inne, mitten in der Nacht. Danach hörte man einen Schlag und eine Glocke erklang in tiefem Ton. Aus dem Altar vernahm ich das Zischen eines Steichholzes. Die Augen wanderten zur Altarwand mit ihren drei Türen. Die Mittlere, die Christustür, öffnete sich. Ich sah das Licht einer Kerze. Es durchbrach die Finsternis. Das Licht bewegte sich durch die offene Tür, kam in die Kirche und eine Stimme sprach: „veniti de luati lumina.“ – Kommt und empfangt das Licht! – „Cristos a inviat“ – Christus ist auferstanden! Die Menschen antworteten: „Adevarat ca a inviat.“ – Er ist wahrhaftig auferstanden! Dann kam Bewegung in die Menge: die Hände mit den Kerzen streckten sich zum Licht der Osterkerze. In kurzer Zeit wurde aus der dunklen Kirche ein Lichtermeer und die Gesichter der Menschen tauchten wieder auf. Sie grüßten einander mit dem Ostergruß und gaben das Licht weiter. So konnte ich sehen, dass viele auch draußen standen. Die Glocken wurden geläutet, und ein Chor stimmte den Osterhymnus an: „Christus ist auferstanden von den Toten. Er hat den Tod durch den Tod zertreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt.“ Es war ein unbeschreibliches Gefühl der Auferstehung. Gefeiert wurde mit hören, sehen, riechen und fühlen. Mit beten, nachdenken und der Einladung zum gemeinsamen Essen. Die Lebensmittel wurden gesegnet. Die Menschen teilten die mitgebrachten Gaben und reichten sie untereinander weiter. Reiche und Arme wurden in dieser Kathedrale gespeist. Sie empfanden Achtung füreinander. Fremde und Freunde fanden einen Platz. Glaubende und nicht Gläubige feierten gemeinsam. Ostern war angebrochen – ein Fest mit Großer Bedeutung für Christen. In diesem Jahr denke ich besonders daran denn die christlichen Kirchen des Ostens und des Westens feiern unabhängig ihrer Konfessionellen Prägung, an einem Tag das Osterfest. Es ist das älteste christliche Jahresfest. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten, sicher, dennoch trifft man sich in zentralen Ansichten wieder: die Kirche lobt Gott durch Verkündigung und Gebet, sie stiftet Gemeinschaft untereinander und mit Anderen, sie ist im Dienst für Andere auf dem Weg, sie verkündet neues Leben weil sie an die Auferstehung Jesu glaubt. Sie bittet um Vergebung, wo sie versagt. Ostern kommt, als Tag des Herrn, damit das Leben in seiner Würde beachtet wird. „Der Herr ist auferstanden.“ Wer möchte, spreche es morgen in seiner Sprache mit: „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Harald Pepel ist Pfarrer der Kirchgemeinden Wildenhain, Walda, Bauda und Zabeltitz-Görzig |