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„Ich singe mit, wenn alles singt...“ Drucken

Von Stephan Seltmann

Zugegeben, manch eine oder manch einer singt auch gern allein, in der Badewanne oder im Treppenhaus. Dann ist es wohl ein Ausdruck des Wohlgefühls, das man gerade empfindet. Singen entspannt, Singen macht Spaß und vor allem: Singen tut gut, besonders das gemeinsame Singen mit anderen.
Inzwischen ist es nicht nur allgemein bekannt, sondern auch wissenschaftlich erwiesen, dass Musik im Allgemeinen und Singen im Besonderen eine heilende Wirkung auf Körper und Geist haben kann. Viele Menschen tun es regelmäßig in einem Chor, z.B. in einer Kantorei, wie die Kirchenchöre hierzulande oft genannt werden.
Davon gibt es in Sachsen rund 750, dazu noch 540 Kinder- und 80 Jugendchöre. Zusammengefasst bilden sie das Kirchenchorwerk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Dieses ist mit 25000 ChorsängerInnen und Instrumentalisten der größte Laienmusikverband in Sachsen.
Die erste und schönste Aufgabe des Kirchenchorwerkes ist es, das Singen in den Gemeinden zu fördern, aber auch die Herausgabe von Chorbüchern, die Organisation von großen Sängertreffen (dabei sei an den Kurrendetag 2009 in Dresden mit rund 3000 Teilnehmern erinnert) und die Veranstaltung von Sing- und Instrumentalwochen. Das Angebot reicht von Kinder- und Familiensingwochen über Sing- und Instrumentalwochen für Chorsänger und Laienmusiker bis hin zu Singwochen für Senioren. Es liegt in den Kirchgemeinden als Heft aus, oder ist im Internet unter www.kirchenchorwerk-sachsen.de nachzulesen. Dort kann man auch weitere Informationen über den Verlauf, die Anmeldung oder die Kosten erfahren.
Eine der Singwochen soll hier näher vorgestellt werden. Die Teilnehmer dieser Singwoche beschäftigen sich mit einem ganz speziellen und nur selten im Licht der Öffentlichkeit stehenden Teil der Kirchenmusik, dem Gregorianischen Choral. Dieser steht in der Geschichte am Anfang der Kirchenmusik, wie wir sie heute kennen. Mehr noch, aus ihm heraus hat sich unsere ganze abendländische Musik entwickelt. Neben dieser Entwicklung ist er aber bis heute ohne Unterbrechung in seiner ursprünglichen Gestalt gesungen worden.
Doch es gibt eine Einschränkung. Der Gregorianische Choral ist einstimmig gesungene Musik, deren Gestaltung sich aus dem Rhythmus der Sprache ergibt, des Textes, der gesungen werden soll. Das Wissen darum ging mit der Entstehung der Mehrstimmigkeit und ihres metrischen Rhythmus‘ verloren. Viele Jahrhunderte lang wurde der Gregorianische Choral nun gleichmäßig, einförmig, ja aus heutiger Sicht „langweilig“ gesungen.
Bis in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein französischer Mönch das Rätsel um die überlieferten rhythmischen Zeichen lösen konnte und aus dem Gregorianischen Choral wieder eine lebhafte und lebendige, sprachgeborene Musik wurde.
Zu entdecken, dass diese Musik nicht nur etwas für Spezialisten und Musikwissenschaftler ist, lädt die Gregorianische Arbeitswoche des Kirchenchorwerks der Ev.- Luth. Landeskirche Sachsens ein. Sie findet vom 27. Juli bis zum 4. August 2010 im Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck (Harz) statt.
In einem Gesamtkonzept von Singübungen, Stundengebeten und geistlicher Betrachtung vermittelt die Woche einen ganzheitlichen, intensiven Eindruck von der Kraft dieses Gesanges, der so lang wie keine andere Musik in lebendigem Gebrauch ist.
Die schlichte romanische Klosterkirche St. Vitus und das Umfeld mit seinen historischen Gärten unterstützen die Erfahrung für die Teilnehmer nachdrücklich.
Chorsängerische Erfahrung und Notenkenntnis sind zwar erwünscht, aber nicht Voraussetzung. Jeder, der gern singt und sich für das Thema Gregorianischer Choral und Gottesdienst interessiert, ist herzlich eingeladen.
Anmelden kann man sich bei Kantor Stephan Seltmann, Niederlagstr. 9 in 01589 Riesa. Dort und auf der Seite des Kirchenchorwerkes gibt es auch weitere Informationen.
Wer darüber hinaus etwas über das Thema wissen möchte, dem seien folgende Links empfohlen: www.plainsong.de und www.liturgischersingkreisjena.wg.am
Zum Abschluss gibt es noch die Vervollständigung des am Anfang gebrauchten Zitates von Paul Gerhardt.
„Ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“

Stephan Seltmann ist Kantor der Kirchgemeinde Riesa