| Singen bringt Himmel und Menschen einander näher |
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Der 2. Mai ist Singesonntag – mit zahlreichen musikalischen Gottesdiensten Von Walter Lechner Viele haben sich zur Trauerfeier zusammengefunden. Der Wind draußen weht kalt. Wie ein schwerer Mantel liegt die Trauer über allem. Doch auf einmal: Zuversicht und Hoffnung breiten sich in der Friedhofskapelle aus. Glaubensgewissheit macht sich breit. Noch bevor der Pfarrer am Sarg seine Predigt beginnt, dringt eine kraftvolle Botschaft aus Dutzenden Kehlen, die gemeinsam einsetzen und singend einem Gottvertrauen Ausdruck verleihen, das über den Tod hinausgeht: „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.“ Bei aller Trauer an diesem Tag: Dieser Gottesdienst bleibt kein endgültiger Abschied. Sondern durch das Singen wird er zur Verheißung eines neuen Lebens – und eines Wiedersehens, in Gottes neuer Welt. Die Lieder der Gemeinde übertönen nicht das Weinen und Klagen der Angehörigen, sondern nehmen es auf und verbinden es mit dem Gott, der Menschen hält und trägt – im Leben, im Sterben und im Trauern. Ich persönlich möchte mir heute keine Trauerfeier ohne Singen vorstellen. Dabei meinte ich lange Zeit: Ich kann gar nicht singen! Das war in unserer Familie nicht üblich. Höchstens zur Weihnachtszeit – und dann eher bemüht als schön. Doch beruflich wie privat habe ich erfahren: Singen macht Spaß, ja: Es befreit. Singen entwickelt eine Kraft. Anders manchmal als bloße Worte kann Singen Menschen im Innersten berühren, bewegen und verändern. Nicht umsonst leben Juden wie Christen ihre Gottesbeziehung besonders durch Lieder und Gesänge. „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So beginnt der 98. Psalm. Die Psalmen sind das Gesangbuch des Volkes Israel und der umfangreichste Abschnitt der Bibel. Nach diesem Psalm ist auch der vierte nachösterliche Sonntag am 2. Mai benannt: Kantate – „Singet!“ An diesem Sonntag versammeln sich nun schon zum zweiten Mal Menschen aus den Kirchgemeinden Gröditz, Frauenhain und Nauwalde zu einem gemeinsamen Kantate-Gottesdienst im Kirchgemeindezentrum Merzdorf. Die drei Chöre der Gemeinden vereinigen sich zu diesem Anlass, um gemeinsam Gott zu loben – unter großem Zuspruch der Gemeindeglieder. Gerade einmal zwei Jahre alt ist die strukturelle Verbindung der drei Kirchgemeinden. Doch schon letztes Jahr wurde spürbar: Das Singen – vor allem das Singen zur Ehre Gottes – überwindet Grenzen. Singen macht Freude – und bringt Gott und Menschen einander näher. Deshalb: Jeder Mensch kann singen. Nicht unbedingt richtig. Aber egal. Hauptsache von Herzen. Walter Lechner ist Pfarrer der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Frauenhain. |