| SOMMERZEIT – URLAUBSZEIT |
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Von Matthias Spindler Lange hat der Frühling uns in diesem Jahr warten lassen, jetzt ist es soweit: Es ist Sommer und an manchen Tagen heißer als es uns lieb ist. Eine hohe Zeit in der Natur, aber auch im ganz persönlichen Jahresplan vieler Menschen. Denn Sommerzeit ist Urlaubszeit. Pflichten und Termindruck bleiben zurück, die Beine und die Seele dürfen baumeln, anstatt Müssen und Sollen ist Entspannung, Vergnügen und Ruhe Tanken angesagt. So ist es zumindest bei vielen von uns vorgesehen. Aber gelingt es uns wirklich, abzuschalten und alles, was uns im Alltag belastet, beiseite zu legen? Manchmal berichten Ehepaare, dass ihre ersten Urlaubstage gründlich verdorben waren, weil es Streit und unschöne Auseinandersetzungen gab. Kann es sein, dass da etwas zu große Erwartungen aufeinander geprallt sind, dass jeder sich vom andern besondere Rücksichtnahme gewünscht hat und die Bedürfnisse des Partners zu kurz kamen? Spätestens, wenn Urlauber sich gegenseitig erzählen, welchen Beruf sie zu Hause ausüben, merkt man schnell, wie sehr die Arbeit mitfährt. Sie passiert eben nicht nur um uns herum, sondern bestimmt das ganze Jahr über unseren Lebensrhythmus. „Lebenskünstler ist, wer den Sommer so erlebt, dass er ihn noch im Winter wärmt.“ – sagt ein Sprichwort. Dabei werden die Jahreszeiten „Sommer“ und „Winter“ zum Vergleich für unterschiedliche Abschnitte im Leben. Tage, an denen wir uns stark fühlen, uns manches zufällt und vieles gelingt, sind wie Sommerzeiten voller Blüte und Wachstum. Wir fühlen uns gut aufgehoben zwischen Nachbarn, Bekannten, Verwandten und Freunden. Dann können wir auch fremden Menschen offen und ohne Angst begegnen. Und in ein dankbares Gotteslob einzustimmen ist gar nicht so schwierig. Aber es kann ganz plötzlich auch anders kommen: Ein Misserfolg, eine Enttäuschung, vielleicht ein persönlicher Schicksalsschlag, und auf einmal fühlt das ganze Leben sich kalt und frostig an. Misstrauen macht sich breit, allen anderen scheint es ohnehin besser zu gehen, anstelle des fröhlichen Gottvertrauens machen sich auf einmal viele zweifelnde Fragen breit. Dann wird es darauf ankommen, ob Herz und Seele über Reserven verfügen und ob es Menschen gibt, die uns ein Stück mittragen und uns zur Hilfe werden, die Wärme wieder zu finden, die in den Sommerzeiten gespeichert wurde. Christenmenschen dürfen daran glauben, dass Gott uns in beidem begegnen will. In den Sommertagen des Lebens haben wir viel Grund, ihm dankbar zu sein. Doch auch auf den kalten Wegstrecken will er uns nahe sein und uns auffangen, wenn der Boden unter den Füßen entgleitet. Manchmal brauchen wir lange, um es wahrzunehmen, oft werden wir im Zurückschauen entdecken, dass wir doch nicht von Gott und allen guten Geistern verlassen gewesen sind. Eine Erfahrung, die viele Menschen bestätigen können: Wer die Dankbarkeit des Herzens in guten Zeiten einübt, hat eine hilfreiche Ausrichtung und viel mehr Kräfte für schwierige Wegstrecken. Vielleicht ist das die ganz besondere Chance der Urlaubszeit. Wir dürfen einmal mit gutem Gewissen Nehmende sein und auftanken. Hat der innere Mensch die Alltagslasten einigermaßen abgelegt, ist er aufnahmefähig für Gutes und Wohltuendes. Das kann ein Konzert oder ein Gottesdienst am Urlaubsort sein, der Anblick einer wundervollen Landschaft oder ein unbeschwertes Miteinander mit Angehörigen und Urlaubsfreunden. Auf alle Fälle wünsche ich jedem von uns Erlebnisse dieser Art, verbunden mit der Bereitschaft, sie auf sich wirken zu lassen und dafür dankbar zu sein. Matthias Spindler ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Ebersbach |