| Gospelgottesdienst und Evangelium |
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Von Christian Thiele Vielen im Ort ist der Gröditzer Gospelchor bekannt. In diesem Jahr gestaltete er zum wiederholten Mal einen "Gospelgottesdienst". Statt der traditionelle Liturgie waren Elemente aus der Gospelmusik zu hören. Ich fragte mich: Kann man einen "Gospelgottesdienst" feiern? Es gibt ja Krabbelgottesdienste und Kindergottesdienstes, Jugendgottesdienste und Bikergottesdienste, Segnungsgottesdienste und vieles mehr. Vorstellen kann ich mir, das der ein oder andere der zahlreichen Besucher gerade wegen des besonderen Musikstils in die Gröditzer Kirche gekommen war. Zur Gospelmusik - wie zu jeder anderen Musik sicher auch - gehört aber, dass Musik und Musizierende authentisch sind, also Musikstil und eigenes Befinden zusammenpassen. Zuerst einmal machte es den Sängerinnen und Sängern einfach Freude, ihre Musik darzubieten. Das brachten sie gern herüber. Moderne Menschen mögen moderne Musik und sind mit ihr zu erreichen. Deutlich wurde aber, dass Gospelmusik mehr ist, als eine Musikrichtung. Ein bedeutender Vertreter dieser Musik sagte: "Gospel ist nicht der Sound, der Klang - es ist die Botschaft. Wenn es von Jesus Christus handelt, ist es Gospel." Nicht immer ist das so richtig bewusst. Wer nicht nur auf die Töne hört, sondern die Musik in ihrer Gesamtheit wahrnimmt, also auch den Text, bemerkt das. Deshalb war für die Gottesdienstbesucher die Übersetzung wichtig. Zum Beispiel sang der Chor das Lied "Leave It There". "Lass sie dort! - Nimm und bring deine Last zu Gott und lass sie dort." So übersetzten die Sänger selbst. Wenn das mal keine Predigt war! "Sorgt nicht um euer Leben … was ihr anziehen sollt. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes" - heißt es in der Bibel. Nicht nur den Lilien auf dem Feld gibt Gott Schönheit, auch für den kleinen Vogel sorgt er, so wurde es besungen. Damit wurde aus dieser Musikrichtung mehr, als ein bestimmter Stil. So konnten es die Sängerinnen und Sänger auch sagen: "Vielleicht denken wir da nicht immer so bewusst darüber nach. Aber wir bringen unsere Sorgen mit der Gospelmusik zu Jesus." Genau das ist ja das Anliegen der Gospels. Mit alle den Sorgen, zu Jesus zu kommen. Die gute Nachricht hören, dass er daraus befreit. Hinter oberflächlich als bestimmter Musikstil eingeordneten Klängen wurde gerade das Evangelium deutlich. Moderne Menschen sagen es englisch: Gospel. Darin stecken die englischen Worte "god", auf Deutsch gut und "sell", auf Deutsch Botschaft, also die gute Botschaft. Nichts anderes verkündigen wir in unseren Kirchen als das Evangelium. Es ist das gleiche Wort nur in einer anderen Sprache. Evangelium bedeutet auf deutsche ebenso "gute Botschaft". Bewusst wurde in diesem Gottesdienst auch, dass die Gospelmusik ebenso alt ist, wie die von Beethoven, Mozart, Brahms oder Liszt, nach denen Straßen hier in Gröditz und anderswo benannt sind. Text wie Melodie des Lied, welches die Predigt umrahmte, stammte nicht von einem modernen Musiker, sondern von einem schwarzen Pfarrer vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Am Ende blieb nicht nur gute Musik Ohr, sondern Sängerinnen Sänger und Zuhörer waren wirklich "begeistert". Christian Thiele ist Pfarrer der Kirchgemeinden Gröditz und Nauwalde |