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Schulanfang im Kirchspiel Bärnsdorf Drucken
Von Pfarrer Steffen Brock

Stolz trägt Katrin die Zuckertüte  leicht schräg vor ihrem Körper und ihr lachender Mund zeigt die obligatorische Doppelzahnlücke. Es ist Schulanfang und sie weiß: Sie ist gewachsen. Als Mutti ihr heute morgen das erste Bild zeigte, dass noch in der Geburtsklinik von ihr gemacht wurde, hat sie schon gestaunt: So klein ist sie einmal gewesen: 52 Zentimeter. Doch das Wachstum, seit sie auf der Welt ist, lässt sich nicht nur in Zentimetern messen. Was sie inzwischen alles gelernt hat: Krabbeln und laufen und rennen; plappern, reden und singen; malen, zählen und schreiben – jedenfalls ihren Namen kann sie schon schreiben und beim Versteck spielen zählt sie schon bis Hundert ( in Zehnerschritten, versteht sich ). Manchmal hilft sie der Mutti beim Plätzchen backen, im Kindergarten hat sie gelernt, dass sie mit ihren Fingern schöne Dinge herstellen kann und einmal war sie sogar schon einmal einkaufen beim Bäcker, ganz allein.
So viel kann sie schon und darum ist sie so stolz. Sie ist nicht mehr die Kleine, sie ist auch kein Kindergartenkind mehr – jetzt ist sie Schulkind. Zugegeben, etwas aufgeregt ist sie schon, weil nun etwas Neues beginnt. Aber einige Kinder ihrer Klasse kennt sie schon vom Kindergarten. Auch ihre beste Freundin Natalie ist dabei. Und die Lehrerin hat sie beim ersten Kennenlernen auch ganz freundlich angelacht.
Doch dann wird Katrin etwas nachdenklich. Hoffentlich sind die Jungs nicht so grob. Und hoffentlich kommt sie beim lernen gut mit. Sie weiß, dass Natalie sogar ein bischen Angst hat, weil sie in Sport nicht so gut ist, wie andere Kinder in ihrem Alter. Hoffentlich wird sie keine Außenseiterin und hoffentlich lachen die anderen nicht, wenn es eben nicht so gut gelingt. Und dann denkt sie an ihre Eltern. Mutti war in letzter Zeit manchmal in Gedanken – und dann kam immer so ein Satz wie: „Pass gut auf dich auf, wenn du in die Schule gehst.“ Oder: „Achte immer auf den Straßenverkehr, dass nur ja nichts passiert.“ Einmal hat sie Katrin sogar bei Seite genommen und ihr noch einmal ganz eindringlich erklärt, dass sie bei niemandem Fremdem ins Auto einsteigen darf, sich von niemandem mit Süßigkeiten oder anderen Dinge locken lassen soll. Offensichtlich macht sich Mutti auch Gedanken und einige Sorgen. Einmal aber hat sie beim zu Bett gehen gesagt: „Ach Kind, ist das gut, zu wissen, dass Gott über dich wacht, wenn ich nicht mehr so auf dich aufpassen kann.“ Und dann hat sie den Spruch genommen, der über ihrem Bett hängt  und ihn noch einmal vorgelesen: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ „Das ist dein Taufspruch“, hat Mutti dann zu Katrin gesagt. Und sie fügte hinzu: „Ich habe damals zu deiner Taufe erst einmal die letzten Worte als wichtig betrachtet. Mir war wichtig, dass Gott dich mit liebenden Augen sieht, gute Wege führt und dich bewahrt. Jetzt verstehe ich dass diese Worte auch für die Schulzeit besonders gelten und es macht mich froh, dich in Gottes Hand geborgen zu wissen. Aber ich verstehe inzwischen auch, das die ersten Worte ebenfalls gut und wichtig für dich sind, gerade jetzt bei diesem neuen Lebensabschnitt: Vieles bekommst du neu gelehrt. Und du wirst auch lernen, wie man miteinander gut zurecht kommt und wie man in dieser Welt zurecht kommen kann. Aber manchmal bekommt man auch Dinge gezeigt, die nicht gut sind. Oder man lernt von anderen Sachen, die einem dann später doch Schaden. Und nicht alles, was man wissen kann, darf man auch anwenden. Aber dein Taufspruch macht mich gewiss: Du wirst immer wieder lernen, dass es gut tut, bei der Wahrheit zu bleiben und dass es innerlich frei und froh macht, wenn man sich entschuldigen kann. Siehst du, auch auf diese Weise vollzieht Gott das, wenn er sagt: „Ich will dich unterweisen. Und wenn du ein waches Gewissen behältst und immer wieder einmal nachfragst, was Gott für uns Menschen möchte, dann gehst du auf den guten Wegen, die Gott für uns hat: Wege, die zu einem gelingendem Leben führen.“
An diesem Abend lag Katrin noch etwas länger wach als sonst und dachte darüber nach, was die Mutter gesagt hatte. Doch dann sagte sie still für sich:„Danke, lieber Gott, dass du mich auf einem guten Weg leitest und behütest.“ - und schon war sie eingeschlafen.