| Ein Gast auf Erden |
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![]() An einem schönen Sommertag fuhr ich mit dem Fahrrad in Richtung Diesbar-Seußlitz. Aus nicht erklärbarem Grund kam mir dabei ein altes Kirchenlied in den Sinn: „Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand;/der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland./ Hier reis ich bis zum Grabe; Dort in der ewgen Ruh/ ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu“. Die Jahre auf dieser Welt sind begrenzt. Das wurde mir beim Summen des Liedes bewusst. Doch wie die Landschaft sich zeigte, dachte ich an ewige Schönheit. In Seußlitz angekommen, schob ich mein Fahrrad am Schloss vorbei. Und wenige Minuten später saß ich in der Schlosskirche. Umgeben wurde ich von einem festlichen, ländlichen und barocken Ambiente. Selbst diese Schönheit schien für die Ewigkeit gemacht zu sein. Im Jahr 1724 bekam George Bähr den Auftrag, diese Kirche zu bauen. Mit Sicherheit kannte auch er das Lied „Ich bin ein Gast auf Erden“ und wollte ganz bestimmt für die nach ihm kommenden Gäste einen Raum schaffen, der jeden Tag zu einem Fest werden lässt. Als ich mich näher umschaute, entdeckte ich auf den Bänken die Schriftzüge „Verwalterin“, „Hofmeisterin“, „Gärtnerin“. Dort waren also die Stammplätze für die Bediensteten des Schlosses. Kurios fand ich, dass beim Schriftzug „Köchin“ doppelt so viel Platz zum Sitzen gedacht war. Eine kirchenkundige Frau erzählte mir dann, dass die Kinder links, die Dorfbevölkerung hinten und die Herren auf den Emporen gesessen haben. Wieder ging mir das Lied durch den Sinn. „… und hab hier keinen Stand.“ Was Menschen doch für feste Ordnungen schaffen. Und ganz bestimmt wurde dieses Lied auch in dieser Kirche vielmals gesungen. Es scheint ein Widerspruch zu sein. Doch auch diese Kirche zeigt mir ein Stück Himmel. Offenbar gehört es zusammen, Gast auf Erden zu sein und den Himmel dabei zu erleben. Jedenfalls war es für mich in dieser Kirche zu spüren. Und so möchte ich dafür danken, dass Ehrenamtliche darum bemüht sind, auch diese Kirche in der warmen Jahreszeit regelmäßig offen zu halten. Kai Schmerschneider ist pädagogischer Mitarbeiter beim Kirchenbezirk Großenhain |