| Mit unserer Macht ist nichts getan |
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Von Pfarrer Volkmar Becher Es war lange vor der Wende in einer kleinen Stadt im Erzgebirge. Da beschwerte sich der sozialistische Bürgermeister über ein Lied, das vom historischen Glockenspiel der Kirche vor allem im Herbst gespielt wurde und vom Kirchturm herab weit über die Dächer der kleinen Stadt schallte. Es war das bekannte Reformationslied: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Verwundert wurde der Bürgermeister gefragt, was er denn an dem Lied auszusetzen habe. Seine Antwort: Das Lied verunglimpft unseren sozialistischen Staat, denn in dem Lied würde es ja heißen: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren.“ Derlei Provokation könne er nicht tolerieren; zumal das Glockenspiel ja der Stadt gehöre und nur auf dem Kirchturm seinen Standort hätte. Nun, das Lied wurde nicht abgesetzt, zumal der Text betreffenden zweiten Strophe damals nur Insidern noch bekannt gewesen sein dürfte. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit' für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muß er behalten. Da hatte der Bürgermeister wohl ein Eigentor geschossen und es werden viele damals über den guten Witz heimlich gelacht haben. Nicht um Staatskritik geht es in dem bekannten Lutherlied, sondern um das Vertrauen zu Gott. Ist Gott an unserer Seite, so wird das Werk gelingen. Das gilt heute noch genau so, wie in Zeiten des Reformators. Volkmar Becher ist Pfarrer in Strehla |