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Von Matthias Spindler

Anfang November wird in vielen Gemeinden das Kirchweihfest begangen. Neugierig, was ich wohl nach einigen Jahren
im Pfarrerdienst noch an Neuem darüber erfahren werde, suche ich im Internet und finde bei „Wikipedia“ zwei
unterschiedliche Suchbegriffe: Während bei „Kirchweihe“ oder „Kirchenweihe“ das gottesdienstliche Fest zu einer
Kircheneinweihung oder deren Jubiläum beschrieben wird, berichtet der Artikel „Kirchweih“ oder „Kirmes“ von einem
fröhlichen Volksfest mit etlichen dazu gehörenden Bräuchen. Sind das nun zwei verschiedene Feste – so könnte man
fragen – oder gibt es einen Zusammenhang?
Natürlich weiß jeder: der Jahreslauf der Kirche und der persönliche Lebenslauf ist zu früheren Zeiten für viele
Menschen wesentlich enger verbunden gewesen ist als heute. Klar ist auch, dass es schon immer sinnvoll war, den
Bau eines großen Gebäudes vor dem Einbruch des Winters fertig zu stellen. Unvergessen blieb auch die Einweihung
besonders berühmter Gotteshäuser. So wurde am 18. November 1626 der Petersdom geweiht, bereits im Jahr 324 am 9.
November - ebenfalls in Rom - die Lateranbasilika, heute bekannt als die älteste Papstkirche überhaupt.
Hier in unserer Region wurde mir davon berichtet, der Kirchweihtag sei lange Jahre für die Landwirtschaft als
wichtiger Termin der Jahresbilanz bedeutsam gewesen. War die Ernte der letzten Früchte abgeschlossen, konnte der
Gutsbesitzer die Ausgaben und Einnahmen der beendeten Saison zusammenrechnen. In diesem Zusammenhang wurde an 
Knechte und Mägde eine Art „Prämie“ ausgezahlt. Natürlich war das ein Anlass zum Feiern, umso ausgelassener, je
reicher die Zahlung im entsprechenden Jahr ausgefallen war. Kein Wunder also, dass daraus ein lebenslustiges
Volksfest wurde.
Ein ganz besonderes Kirchweihfest beschäftigt uns gerade in der Kirchgemeinde Reinersdorf. Auch hier gibt es allen
Grund zum Feiern. Auch hier wurden die Bauarbeiten rechtzeitig vor dem Winter zum Abschluss gebracht. Und auch
hier sind wir auf das genaue Rechenergebnis von Einnahmen und Ausgaben gespannt. Sicher, es klingt vermessen,
wollten wir unsere kleine Dorfkirche mit weltbekannten Bauwerken zu vergleichen. Andererseits: Die Bedeutung eines
Gotteshauses beschränkt sich doch nicht auf den Gebäudewert als ehrwürdiges Baudenkmal. Unserer Kirche wurde Mitte
des 16. Jahrhunderts erbaut. Viereinhalb Jahrhunderte – das sind Mindestens fünfzehn Generationen, in denen
unzählige Menschen diesen Ort aufsuchten, um hier zu beten, zu singen, Gott zu loben, Trost und Wegweisung zu
suchen, Freude und Leid mit einander zu teilen. Doch so interessant hin und wieder ein Blick in die Geschichte
sein mag, noch wichtiger ist auf jeden Fall die Gegenwart. Nach wie vor versammeln sich Menschen regelmäßig in
unserer Kirche unter Gottes Wort. Und manche Spende für die Kirchenrenovierung macht es deutlich: Dieses
Gotteshaus liegt auch Bewohnern unserer Dörfer am Herzen, die sich nur selten aktiv und sichtbar am Leben der
Kirchgemeinde beteiligen.    Dabei hatte die aktuelle Renovierung nicht gerade angenehm begonnen: Schwammbefall im
Dachgestühl machte bereits im Jahr 2007 umfangreiche Bauarbeiten erforderlich. Als dann am 24. Mai 2010 der
Tornado eine Spur der Verwüstung in unsere Umgebung zeichnete, wurde auch das Kirchendach in Reinersdorf schwer
beschädigt. Eindringendes Regenwasser hinterließ unschöne Spuren an der Decke und den Wänden. Eine erste
Notreparatur und eine provisorische Abdeckung mit Plastikplanen halfen die Zeit zu überbrücken, bis im Mai 2011
endlich alle erforderlichen Zusagen und Genehmigungen vorlagen. Die nächste Überraschung erfolgte nach dem
Einrüsten: Aus der Nähe betrachtet erwies sich die Turmkonstruktion in großen Teilen als dringend
erneuerungsbedürftig. Und weil nun doch bis an die Turmspitze eingerüstet werden musste, lag es nahe, Turmkugel
und Wetterfahne zu kontrollieren und entsprechend dem Rat des Fachmannes neu zu vergolden.
Jetzt blicken wir auf arbeitsreiche Monate zurück und freuen uns an unserem schönen Gotteshaus. Dankbar werden wir
am Sonntag, den 6. November das Kirchweihfest begehen. Nach dem Gottesdienst, der 14.00 Uhr beginnt, wird es eine
Zeit der Begegnung geben, natürlich in gemütlicher Kaffeerunde. Zum Abschluss erklingt 17.00 Uhr ein Konzert mit
dem Männerchor Großenhain-Reinersdorf e.V. Selbstverständlich sind diese Veranstaltungen öffentlich und Gäste (wie
immer) herzlich willkommen. Mögen unter diesem Dach noch viele Menschenherzen Trost, Kraft, Freude, Erbauung und 
Wegweisung finden!

Matthias Spindler ist Pfarrer in Ebersbach und Reinersdorf