| Nackt und von Gold umgeben |
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Von Kai Schmerschneider Glühwein, Sehnsucht nach Wärme und Frieden, Musik für die Seele und Gerüche, die Wohlbehagen auslösen – das alles sind Anzeichen für die Advents- und Weihnachtszeit. Viele Menschen bringen auch Kirchen mit dieser Zeit in Verbindung. Vertraut ist dabei der Erzgebirgsschmuck – oft ist dabei eine Kurrende vor einer Kirche dargestellt. So ist es auch ein Muss für viele, in einer Kirche am Heiligabend das Krippenspiel zu sehen und sich von dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ berühren zu lassen. In manchen Kirchen, wie in der von Frauenhain, scheint das ganze Jahr Weihnachten zu sein, denn dort ist im Flügelaltar des 15. Jahrhunderts unter anderem das Weihnachtsgeschehen dargestellt. Wer diesen Flügelaltar geschaffen hat, ist unbekannt. Gewiss war es dem Künstler wichtig, zu sagen, dass die Botschaft der Weihnachtsgeschichte alle Zeit überdauert. Was mir bei der Darstellung gleich auffällt, sind die goldenen Gewänder von Maria und Josef. Und dann wird mein Blick unweigerlich auf das Kind gezogen. Nackt ist es, ungeschützt vor Wind und Kälte. Gut, dass es durch Marias Gewand eine Unterlage hat. Das Gold der Gewänder ist fast ein Widerspruch zu dem Kind. Doch das Gold soll uns auf Gott hinweisen – Sinnbild für Licht und Wärme. Darin ist das Kind geborgen und kann nackt sein, so wie es geboren wurde. Maria und Josef knien vor ihm nieder, machen sich klein. Sie sind nicht geschäftig, sondern zeigen sich hingebungsvoll. Die Umgebung wirkt erbärmlich. Da ist im Hintergrund eine abgebrochene Mauer. Ein recht einfaches Dach soll Schutz bieten. Ein geschützter Raum ist es wirklich nicht und dennoch sind Maria und Josef zufrieden. Ein stabiles Dach über dem Kopf zu haben, das scheint für das Geschehen nicht wichtig zu sein. Es mutet an, als könne der Betrachter einfach so hinzukommen; denn eine Tür ist nicht da, an die man klopfen könnte. Die beiden Tiere sind ganz selbstverständlich dabei. Und wenn ich außerhalb des Krippenbildes nach oben schaue, entdecke ich die mit Sternen bemalte Decke des Altarraumes: so etwas wie ein weites und schützendes Dach für das Krippengeschehen. So sind wir immer wieder, zu jeder Zeit, eingeladen, an der Weihnachtsgeschichte zu verweilen und den wärmenden Glanz des Goldes aufzunehmen. Ein Geschehen, das die Brüchigkeit der Welt schon 2000 Jahre lang überdauert. Kai Schmerschneider ist Gemeindepädagoge im Kirchenbezirk Großenhain |