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Wunschlos glücklich nach Weihnachten? Drucken

Von Pfarrer Dietmar Pohl

Wie die neue Jahreslosung helfen kann, mit Gewissheit schwere Wegstrecken anzugehen.

Die Geschenke der Weisen für das Kind in der Krippe, Gold, Weihrauch und Myrre ,standen wahrscheinlich nicht auf der Wunschliste weder des Kindes noch seiner Eltern. Abgesehen davon, dass diese Gelehrten auch nicht als Weihnachtsmänner unterwegs waren. Sehr viel tiefe Symbolkraft steckt in den überlieferten Weihnachtsgeschichten, z.B. dass sich die weltlichen Herrscher der Macht des Kindes unterordnen, die sich in seiner grenzenlosen Liebe erweisen wird. Wer sich gewiss sein kann, selbst beschenkt worden zu sein, nimmt die Weihnachtszeit zum willkommenen Anlass, andere zu beschenken.
Seltsam: Obwohl es vieles zu kaufen gibt, fällt das Schenken zunehmend schwer, scheinen die Menschen heute oft „wunschlos unglücklich“. Geschenkgutscheine sollen helfen, ohnehin anstehende Bedürfnisse zu erfüllen, aber ist das Weihnachtsfreude?
Paulus war oft wunschvoll unglücklich! Oft hatte er im Gebet Gott und seinen Herrn Christus Jesus gebeten, ihn von seiner Krankheit zu erlösen. Immer wieder diese schlimmen epileptischen Anfälle, gerade wenn sie auftraten, als er mit den Menschen im Gespräch war. Das war kaum zu ertragen: Er preist die wunderbare Schöpferkraft Gottes, die Allmacht dessen, der wieder heil machen kann, was krank und zerstört ist. Er ermutigt zum Gebet und bekennt einen barmherzigen Gott - aber an ihm selbst geschieht nichts. Sein Gebetswunsch bleibt unerfüllt.
Aber dann geschieht doch etwas: Er bekommt Antwort, wenn auch keine Erfüllung seiner Bitten. Christus gibt sich ihm im Gebet zu erkennen. Nicht die erhoffte Heilung, sondern die außerordentliche Begabung trotz dieser Krankheit! Die gegebenen Schwächen anzunehmen fällt schwer, aber indem man nicht auf den offenkundlichen Mangel starrt, sondern nach den verborgenen Stärken sucht und sie damit zur Entfaltung bringt, mit Gottes Hilfe, das bekennt Paulus als Gnade.
Freilich: aus dem Munde eines erfolgreichen und gesunden Menschen kann das zynisch klingen, weil es Paulus aber als Betroffener bezeugt, nehme ich es als ein fast noch größeres Wunder an, als es eine Heilung gewesen wäre. Ich frage mich nach der Kraft meines Glaubens, ob er es vermag, mit meinen Schwächen zu leben, d.h. sie anzunehmen als eine persönliche „Zumutung“ Gottes? Meist versuche ich, Defizite zu verbergen oder von ihnen abzulenken, indem ich mich über die großen Untaten anderer entrüste.  Aber das Geschenk des Glaubens will mehr als nur Scheinheiligkeit verbreiten. Und darum wird es schon eine Weile dauern, bis sich die neue Jahreslosung (2. Kor. 12,9) in seiner geheimnisvollen Dialektik erschließt:   

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Wie das geht? Ich habe auch noch keine eigene Antwort, kneife und wechsle zum gleichnishaften Bild: Würden Sie im Frühjahr Petersiliensamen in ein Schnittgerinne an den Straßenrand streuen? Da ginge mit Sicherheit nichts auf. Aber diese Blume, vom Wind dahin geweht, zum Verzweifeln! Doch sie kämpft, geht auf, blüht. Ich staune, halte inne. Sogar die Kehrmaschine machte einen Bogen um sie: Das Schwache hat durch sein Unbekümmertsein sogar den mächtigen Apparat zum Umdenken und (dank des Fahrers) zum Einlenken gebracht. „Wir sind wie eine Blume, die morgens schön blüht, am Abend aber schon welk wird“ – so lese ich bei Bestattungen häufig eine moderne Übertragung aus Psalm 90, denn alles hat eben seine Zeit: Stärke und Schwäche, Wachsen, Blühen und Fruchtbringen, Geben und Nehmen.
Kein Leben gedeiht aus sich selbst. Es ist für mich ein Wunder, egal ob Pflanze oder Mensch, angewiesen auf Energie, die es empfängt, selbst nutzt, dabei verwandelt und oft sinnreich weitergibt. Jesus Christus gibt uns seine Kraft in dem Maße, wie wir ihrer bedürfen und sie zu empfangen bereit sind, quasi wie ein Ladegerät für leere Akkus. So ein Ladevorgang braucht Zeit, bis ein ausreichend großer Vorrat an Energie gesammelt ist, da muss die Verbindung passen, wäre aber auch ein regelmäßiger Laderhythmus von Vorteil.
Neue Kraft zum Leben und Bejahen manch leidvoller Situation kann uns das Gebet schenken, wenn es unser Vertrauen stärkt, dass Gott uns annimmt, so wie wir sind, mit unseren Stärken und Schwächen. Lasst uns in dieser Erwartung wunschvoll glücklich sein.

Dieter Pohl ist Pfarrer im Kirchspiel Großenhainer Land