| Jahreswende |
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Von Harald Pepel Es ist wieder Zeit Bilanz zu ziehen. Wer die letzten Tage gefeiert hat, hat vermutlich auch die Stille der Weihnacht genutzt um Rückschau zu halten. Dahinter steht, so erlebe ich es manchmal, der Wunsch aus der unmerklich verrinnenden Lebenszeit etwas festzuhalten. Etwas was sich übertragen und im neuen Jahr wieder einsetzen lässt. Hin und wieder möchte ich es auch zu anderer Zeit als Erinnerung abrufen. Menschen haben dafür die unterschiedlichsten Gepflogenheiten entwickelt. Mancher trägt Jahr für Jahr im neuen Kalender die Geburtsdaten ein. Andere ordnen zu Neujahr Bilder, überschreiben Adressen, legen die Post zurecht. Ich schaue den alten Terminkalender durch und übertrage die Feste und besonderen Regelungen der Kirchgemeinden. Gelegentlich staunt man: War wirklich so wenig Zeit im vergangenen Jahr? Fünf oder sechs Postkarten, drei oder vier Besuche, einige Briefe, Urlaub zwischendurch. Sonst hat man sich kaum gesehen? Die Jahreswende ist eine Gelegenheit an das zu denken, was Menschen stärkt und verbindet. Oft zeigt sich, dass dieses Innehalten ein Geschenk ist. Es ist nicht von seinem Einkaufswert abhängig sondern von dem, was sich schlecht berechnen lässt: die Sorgfalt mit der das Geschenk ausgesucht ist, die Aufmerksamkeit und Mühe, die Liebe die der Schenkende darauf verwendet hat, um genau das zu finden, was Freude macht. „Schenke mit Geist ohne List. Sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist.“ schrieb Joachim Ringelnatz. Der Mehrwert der Gabe scheint bestimmend zu sein. Auch die Bibel hat dafür Worte gefunden. Sie erinnert an das Geschenk des Glaubens. Er ist eine Frucht die aus Geben und Nehmen im Zusammenspiel von Gott und Mensch wächst. Der Glaube ist ein Zeichen lebendiger Beziehung denn Gott besitzt, was man nicht kaufen kann: die Erfahrung lebendiger Beziehung. Das kann manche Lebensbilanz verändern. Dietrich Bonhoeffer, Pfarrer und aktiver Friedenskämpfer im Widerstand gegen den Nationalsozialismus schrieb in seiner Gefangenschaft die unvergesslichen Worte: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Mich fasziniert so viel Gelassenheit und Charakterfestigkeit so viel Vertrauen und so wenig Angst. Bonhoeffers Worte sind eine Jahreswende besonderen Art. Sie erinnern was zu tun ist, damit einer Gesellschaft das Kostbare nicht verloren geht: in der Geborgenheit guter Macht, Wege suchen, die das Leben schützen und die Wahrheit nicht leugnen. Was Menschen reich macht, sind demnach nicht nur Gaben die sich im Zusammenleben erschließen, sondern auch der Mehrwert, den sie diesen in der Zuwendung zu Gottes Gebot erhalten. In diesem Sinne wünsche ich im Neuen Jahr mehr Freiheit von äußeren Bindungen und Gewissheit im Handeln. Ohne eine solche Wende bliebe die Zeit stehen. Harald Pepel ist Pfarrer in den Kirchgemeinden Wildenhain und Zabeltitz |