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Von Christian Thiele Seit dieser Woche steht nun auch in unserer Kirche der Weihnachtsbaum nicht mehr. So lange hat selten ein Weihnachtsbaum in der Kirche gestanden. Weil es bis vor kurzem recht warm war, konnten wir unsere Gottesdienste noch in der Kirche feiern. Sonst nutzen wir in dieser Jahreszeit den wärmeren Gemeinderaum. Der Weihnachtsbaum wurde abgeschmückt und Herr S., der ehrenamtlich für ein geringes Entgelt praktische Arbeiten in unserer Kirche erledigt, hat ihn zersägt. Sonst fände er in seinem Alter keine Arbeit mehr. Aber er macht es gern und die Tätigkeit in der Kirche bereichert seinen Alltag. Am letzten Sonntag, dem letzten nach Epiphanias, waren auch Trauernde zum Gottesdienst. Sie sind treue Gottesdienstbesucher. Sie haben die weihnachtliche Kirche noch einmal erlebt und in ihr Trost gesucht im gemeinsamen Gottesdienst mit der Gemeinde. Beide trägt auf unterschiedliche Art ihr Bezug zur Kirche, ihr Glaube. In ihrer schwierigen Situation suchen sie die Begegnung mit Jesus Christus und finden Trost und Frieden, Erlösung. Ich hoffe, gerade für sie geht Weihnachten wirklich in Erfüllung. Dass sie im Trubel des Heiligen Abend zu den vollen Christvespern in der Kirche gewesen sind, glaube ich eher nicht. Doch sie begegnen Jesus im Herzen. So wie der alten Simeon und die Prophetin Hanna, die nach der biblischen Geschichte (Lukasevangelium 2,22 ff.) treu im Tempel in Jerusalem ihren Dienst verrichteten und dort Trost finden wollen. In der Weihnachtsgeschichte am Heiligen Abend kamen sie nicht vor. Maria und Joseph brachten 40 Tage nach der Geburt ihr Kind Jesus in den Tempel, wie es nach der Geburt eines Jungen üblich war. Dort endlich sehen Simeon und Hanna das Jesuskind und erkennen in ihm den Heiland. Mit dieser Geschichte geht Weihnachten beim Evangelisten Lukas weiter, nachdem die Hirten wieder heimgekehrt sind. Nach der großen Weihnachtsgeschichte bekommt die Geburt von Jesus für ganz konkrete Menschen ihre persönliche Bedeutung. Auf Grund dieser Geschichte entstand das Fest, dass am 02. Februar im Kalender steht. Lichtmess gilt als letzter Zeitpunkt für das Abschmücken des Weihnachtsbaumes. Simeon sagt: „Herr, nun kann ich in Frieden sterben, denn du hast dein Versprechen eingelöst! Mit eigenen Augen habe ich es gesehen: Du hast dein rettendes Werk begonnen, und alle Welt wird es erfahren. Allen Völkern sendest du das Licht, und dein Volk Israel bringst du zu Ehren.“ Diese Worte sind so schön, dass sie schon im 5. Jahrhundert als liturgisches Nachtgebet nachweisbar sind. Für Simeon und Hanna hat sich ihr Sehnen erfüllt. Gott hat sein Versprechen eingelöst. Er hat den Wartenden nicht umsonst warten lassen. Er lässt Herrn S. und die Trauernden nicht umsonst warten. Auch heute nicht. Weihnachten geht in Erfüllung, manchmal erst jetzt, wenn viele schon längst wieder mit dem Alltag beschäftigt sind. Christian Thiele ist Pfarrer in den Kirchgemeinden Gröditz und Nauwalde |